EVET - Ja, ich will! Hochzeitskultur und Mode von 1800 bis heute: eine deutsch-türkische Begegnung
Museum für Kunst und Kulturgeschichte
rem - Reiss-Engelhorn-Museen

Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund
17. August 2008 bis
25. Januar 2009

Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim C5
8. März 2009 bis
7. Juni 2009

Fremdes und Bekanntes am Beispiel des Brautkleids

?Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß? ? diese bekannte Schlagerzeile bringt bis heute nicht nur den Traum vieler deutscher Mädchen und Frauen auf den Punkt. Auch in der türkischen Gesellschaft löste das weiße Brautkleid nach westlicher Mode die traditionellen Gewänder allmählich ab. Spätestens seit den 1920ern hat sich sowohl auf deutschen als auch auf türkischen  Hochzeiten das weiße Hochzeitskleid in breiten Gesellschaftsschichten durchgesetzt. Der Wunsch, einmal im Leben eine Prinzessin zu sein, scheint sich mit dem Tragen des weißen Brautkleids  im romantischen Stil zumindest einen Tag lang zu erfüllen. Es ist seit langem der beliebteste Typus der Hochzeitsmode.

 

Brautkleid mit Zubehör, Justin Alexander, 2007, Neshilan und Hasan Cantı, Werne
© rem, Foto: Jean Christen

Heute sehen sich deutsche und türkische Hochzeitskleider zum verwechseln ähnlich. Das hier abgebildete Brautkleid zeigt eine trägerlose Korsage und einen voluminösen Rockteil in Champagnerfarbe. Die zahlreichen Raffungen des Rocks und die floralen Perlenstickereien machen das Brautkleid zu einem romantischen Hochzeitskleid nach westlichen Vorstellungen. Seine Trägerin verwandelt sich für einen Tag in eine Prinzessin. Tatsächlich handelt es sich um das Hochzeitskleid von Neslihan Cantı (geb. Yüksel), die das Kleid zusammen mit einem Schleier, Stilettos und einem Perlenkollier zu ihrer türkischen Hochzeitsfeier 2007 trug.

 

 

Lindhorster Brauttracht zur Trauung, Region Schaumburg-Lippe, 1900/10er Jahre
© Mindener Museum für Geschichte, Landes- und Volkskunde, Minden

Die farbenfrohe Brauttracht um 1900 würde man wohl kaum auf Anhieb als deutsche Hochzeitstracht erkennen. Im Westfälischen war es üblich, Abendmahlskleider in aufwendiger Handarbeit in farbenfrohe Brautkleider umzuarbeiten. Imposant ist insbesondere die mit farbigen Glas- und Metallperlen sowie Bändern verzierte Krone und die artifiziellen Stickereien auf der Seidenschürze und der Jacke.

Am Beispiel der in der Ausstellung präsentierten Brautkleidung lässt sich leicht erkennen: Das Bekannte entdecken wir häufig in der fremden Kultur wieder und im Traditionsreichtum der eigenen Kultur zeigt sich so manches, das uns heute fremd anmutet.