
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund
17. August 2008 bis
25. Januar 2009
Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim C5
8. März 2009 bis
7. Juni 2009
Längst existieren in Deutschland verschiedenste Lebensmodelle ? nichteheliche Beziehungen, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, alleinerziehende Eltern oder Singles. Doch das Heiraten ist deswegen nicht aus der Mode gekommen. Immer wieder versprechen sich Paare mit dem Ja-Wort die ewige Liebe und Treue. Doch hinter dem Sprüchlein ?Verliebt, verlobt, verheiratet!? verbirgt sich ein über die Jahrhunderte mehr oder weniger langer Weg zum Traualtar.
Die uns heute vertraute romantische Vorstellung von der Ehe hat ihre kulturhistorischen Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Gesellschaft im Biedermeier sehnte sich nach Glück und Zufriedenheit in der familiär-häuslichen Zurückgezogenheit. Nach den unruhigen Zeiten während der Befreiungskriege gegen Napoleon nahmen die Menschen zunehmend Abstand vom öffentlich-politischen Leben. Sie strebten nach Ruhe, Ordnung und einem harmonischen Leben innerhalb der Familie. Gesellschaftliche Institutionen wie die Ehe erfuhren in dieser Zeit weit reichende ideelle Änderungen. So sollte die Partnerwahl im Sinne der biedermeierlichen Sichtweise nicht mehr aufgrund wirtschaftlich-sozialer Aspekte getroffen werden. Idealerweise stellte die Ehe das Resultat einer Liebesheirat dar. Die Ehepartner sollten sich zueinander hingezogen fühlen und sich aus freiem Willen füreinander entschieden haben.
Vor rund zweihundert Jahren war diese uns heute vertraute Vorstellung so neu, dass Rituale eingeführt wurden, um das Kennenlernen und die Partnerwahl zu ermöglichen. So entstanden Hochzeitsrituale, die bis heute erhalten geblieben sind. Das gegenseitige Kennenlernen junger Männer und Frauen im heiratsfähigen Alter, der Antrag, die öffentliche Verlobung, die darauf folgende Brautzeit und die Hochzeitsvorbereitungen bis hin zum Polterabend, der standesamtlichen und kirchlichen Trauung sowie der eigentlichen Hochzeitsfeier waren im 19. Jahrhundert streng reglementiert. Heute entscheidet jedes Brautpaar meist selbst, welche Rituale es übernehmen will.